# Österreichs Tennistalent Ekaterina Perelygina: Aus Rostow am Don... **By:** Christoph Gastinger **Published:** 2024-01-24T09:37:52+01:00 **Source:** [Die Presse](https://www.diepresse.com/18025328/oesterreichs-tennistalent-ekaterina-perelygina-aus-rostow-am-don-in-die-suedstadt) --- In der zweiten Turnierwoche eines Grand-Slam-Turniers wird traditionell ein Schichtwechsel vollzogen. Während ausgeschiedene Profis in Einzel- und Doppelbewerben nach und nach die Heimreise antreten, besetzen die weltbesten Junioren viele der Courts im Melbourne Park. Sie kommen aus aller Welt, eifern ihren Idolen nach, die mitunter zur selben Zeit auf einem der Nebenplätze trainieren. Findet nicht gerade ein Spiel mit australischer Beteiligung statt, dann ist der Besuch bei den Spielen der nächsten Generation – die Spielerinnen und Spieler sind höchstens 18 – in der frühen Turnierphase spärlich. Schließlich sind selbst die beiden Topgesetzten, Federico Cina aus Italien und Renata Jamrichowa aus der Slowakei, nur absoluten Insidern bekannt. Noch. Ekaterina Perelygina nahm sich bei den Australian Open Zeit für ein Gespräch mit der „Presse“. Im Hintergrund: Die Skyline von Melbourne. Christoph Gastinger Österreich statt Russland Österreich ist in der Nachwuchskonkurrenz nur durch eine Spielerin vertreten. Ekaterina Perelygina hält die rotweißroten Fahnen in Melbourne hoch. Zu einem Zeitpunkt, an dem sich die heimische Elite rund um Sebastian Ofner, Dominic Thiem und die Doppelspezialisten Lucas Miedler / Alexander Erler längst aus der Metropole am Yarra River verabschiedet haben. Es darf durchaus als Alarmsignal gedeutet werden, dass sich neben Perelygina kein Bursche oder Mädchen für das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres – der Hauptbewerb umfasst jeweils 64 Talente - qualifizieren konnte. Wobei das nur die halbe Wahrheit ist. Bei den Burschen wäre der Vorarlberger Joel Schwärzer, 17, diese Saison noch teilnahmeberechtigt. Die aktuelle Nummer zwei der Juniorenweltrangliste bevorzugt es aber, sich auf ihre erste Saison bei den Profis vorzubereiten, anstatt sich mit Gleichaltrigen zu messen. Schwärzler gilt als das größte heimische Versprechen seit Dominic Thiem. Von der Trainingspartnerin zur Hoffnungsträgerin Dass ausgerechnet Perelygina – sie ist aktuell die Nummer 49 der Weltrangliste und scheiterte in Einzel und Doppel zum Auftakt – den ÖTV in Australien vertritt, hat eine besondere Note. Die gebürtige Russin aus Rostow am Don bekam Ende letzten Jahres die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen, um die sie im Herbst 2022 angesucht hatte. Der Job ihres Vaters brachte die Familie Perelygina 2017 nach Österreich. „Er hat immer schon viel in Europa gearbeitet, war häufig unterwegs. Damit er nicht mehr so viel hin- und herreisen musste und näher bei uns ist, sind wir umgezogen.“ Australian-Open-Titelverteidigerin und -Halbfinalistin Aryna Sabalenka ist eine der großen Vorbilder von Perelygina. „Ich mag, wie sie bis zum letzten Punkt kämpft.“ APA / AFP / Lillian Suwanrumpha Perelygina fühlte sich rasch wohl in ihrer neuen Heimat, spricht nach knapp sieben Jahren in Österreich perfekt Deutsch. Tennis war anfangs nur eine nette Freizeitbeschäftigung. Die Konzentration galt der Schule. „Erst mit 14 habe ich realisiert, dass ich Profi werden möchte. Das ist mein Traum.“ Also intensivierte sie das Training bei Privatcoach Lukas Jastraunig. Als Jastrauning 2022 auf Initiative von Sportdirektor Jürgen Melzer zum ÖTV stieß, kam Perelygina mit in die Südstadt. Anfangs noch als Trainingspartnerin, „weil sie ja keine Österreicherin war“, erinnert sich der ehemalige Top-500-Spieler Jastraunig. Mittlerweile ist Perelygina, die Serena Williams und Aryna Sabalenka als ihre großen Vorbilder nennt, eine der größten Hoffnungen des heimischen Tennis. „Sie hat im Vergleich zu anderen Mädchen sehr spät begonnen, professionell zu trainieren. Diese Trainings und Matches fehlen ihr jetzt, aber das können wir gemeinsam aufholen. Bei Katya ist einiges möglich“, sagt der Niederösterreicher Jastraunig in Melbourne zur „Presse“. „Österreich ist meine Heimat“ Als Russin sah sich Perelygina bis vor wenigen Monaten noch mit etlichen Hürden konfrontiert. So wurde ihr etwa die Einreise nach England zum Junioren-Grand-Slam in Wimbledon untersagt. Auch bei Turnieren in Polen war sie nicht willkommen. Und, so sieht es das Regulativ vor: Neben ihrem Namen schien seit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine nie eine Flagge auf. „Es ist schlimm, was gerade in der Ukraine passiert, aber als Sportlerin ist es schwer. Wir haben ja nichts damit zu tun“, sagt Perelygina, die schon länger nicht mehr in Russland war, obwohl der Rest ihrer Familie noch dort lebt. Den Nationenwechsel hat Ekaterina Perelygina aber nicht angestrebt, um wieder barrierefrei reisen und an allen Turnieren teilnehmen zu können. Die Motivation, sagt sie, war eine andere. „Ich lebe in Österreich, seit ich 11 bin. Das ist meine Heimat. Ich freue mich, für mein Land spielen zu dürfen.“